23. Dezember 2025

Begegnen statt Vorverurteilen: Die 6C trifft Likrat: Ein Projekttag im hdgö zur Aktionswoche gegen Antisemitismus 

Zum dritten Mal veranstaltete das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) heuer die Aktionswoche gegen Antisemitismus. Von 4. bis 10. November bot das Museum Workshops, Vorträge, Diskussionen und Führungen an, die Jugendlichen und Erwachsenen einen vertieften Einblick in jüdische Geschichte und Gegenwart ermöglichen sollten. Auch unsere Klasse 6C durfte am 7. November 2025 daran teilnehmen. Nach einer Führung durch die Ausstellung über Judentum und zur Geschichte des Antisemitismus trafen wir zwei junge Vertreter des Dialogprogramms Likrat, mit denen wir offen über jüdisches Leben heute sprechen konnten. Teile des Besuchs wurden sogar vom ORF begleitet – ein besonderes Erlebnis in einer Woche, die an die Ereignisse des Novemberpogroms erinnert und zum Nachdenken anregt. 

Als wir im Museum ankamen, waren wir zunächst alle ziemlich nervös – schließlich sollte unser Besuch im Fernsehen gezeigt werden. Doch schon nach wenigen Minuten merkten wir: halb so wild. Wir sind ja schließlich Musiker, und Lampenfieber kennen wir nur von der Bühne – nicht aus dem Museum. 

Wir trafen auf eine unserer Tourguides, die uns herzlich begrüßte und sich dafür bedankte, dass so viele von uns bereit waren, sich für das Projekt filmen zu lassen. Kaum hatten wir die Treppen nach oben betreten, lief auch schon die Kamera. Nachdem wir in zwei Gruppen eingeteilt worden waren, ging es sofort los. 

Meine Gruppe kam in einen Raum, in dem an den Wänden zahlreiche Plakate und antisemitische Objekte ausgestellt waren. Gleich zu Beginn stellte unsere Guide die Frage: „Was ist Antisemitismus?“ Nachdem einige gute Beiträge aus unserer Klasse kamen, bekamen wir mehrere kleine Aufgaben. Wir sollten uns mit verschiedenen ausgestellten Objekten auseinandersetzen und herausfinden: 
Wie hängt dieses Objekt mit Antisemitismus zusammen? Welche Auswirkungen hatte das auf die betroffenen Menschen – damals wie heute? Und welche Möglichkeiten gibt es, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken? Besprochen wurde Hatschi Bratschis Kinderbuch, der Juden Stern und ein sozialistisch Plakat von damals. 

Daneben hatte unsere Klassenvorständin, Frau Professor Knoll, ein kurzes Solo-Interview mit dem ORF, das wir uns später gemeinsam ansehen durften. Während wir unsere Objekte präsentierten, tauchten immer neue Fragen auf: Wie entstand überhaupt Judenhass? Warum traf er besonders jüdische Menschen? Wie konnten sich solche Ideen über Jahrhunderte halten? Diese Fragen konnten wir in der Ausstellung nicht mehr vollständig klären – aber dafür hatten wir ja noch das Gespräch mit den beiden Likrat-Vertretern. 

Ich (Patrik) habe mich am meisten getraut und vermutlich die meisten Fragen gestellt – was niemanden überraschte, da ich ohnehin als Klassen-Plappermaul bekannt bin. Nach und nach trauten sich auch andere zu fragen, und wir kamen auf ernste Themen wie den aktuellen Konflikt zwischen Israel und Palästina, auf die Erfahrungen der beiden mit Vorurteilen und alltäglichen Witzen – aber auch auf leichtere Themen wie jüdische Feste, Essen und Traditionen. Die Zeit verging wie im Flug, und ehe wir uns versahen, mussten wir uns verabschieden. 

Der Besuch war für uns alle eindrucksvoll und teilweise auch emotional fordernd, aber er hat uns gleichzeitig Hoffnung gegeben. Hoffnung darauf, dass Aufklärung, Begegnung und ehrliches Interesse tatsächlich etwas bewirken können. 

Ich persönlich fand dieses Projekt unglaublich wichtig und spannend. Vor allem das Gespräch war für mich ein langer Wunsch, denn meine liebste Informationsquelle sind Menschen, die selbst Erfahrungen teilen können. Am Ende durften wir sogar noch kurz ohne Kameras und ohne Lehrpersonen mit den beiden sprechen – und ich habe an diesem Tag zwei neue Freunde gewonnen. 

Patrik Yavryan, 6C